20. August 2017

Taschachhaus (2434m) – Zustieg, Tobias Jungk-Klettersteig & Urkundsattel

Zeit für Abkühlung!

Schon lange hatten wir davon geträumt, einmal mit Steigeisen und Pickel eine richtige Nordflanke zu besteigen. Schon am Ramolhaus war es unser Ziel gewesen, über die Nordflanke auf den Hinteren Spiegelkogel zu steigen. Leider machten uns damals Wetter, Sicht, Temperaturen und Fitness einen Strich durch die Rechnung.

Jetzt wollten wir unsere Chancen auf eine erfolgreiche Nordwand-Besteigung steigern, indem wir den bayerischen Feiertag ausnutzten und uns gleich für vier Tage und drei Nächte im Taschachhaus oberhalb des Pitztals einmieteten.

Tag 1 - Der Zustieg zum Taschachhaus

Es gibt mehrere Möglichkeiten vom pitztaler Mittelberg zum Taschachhaus aufzusteigen. Noch an der Talstation der Riffelseebahn zögern wir, ob wir mit der Bahn hochfahren und über den Fuldaer Höhenweg zum DAV-Stützpunkt laufen sollen. Dieser Weg verspricht eine tolle Aussicht und aufgrund der Liftunterstützung spart man sich ein paar Höhenmeter, was mit vollgepackten circa 12 Kilo schweren Rucksäcken durchaus reizvoll erscheint.

Wegen des schlechten Wetters und der schlechten Sicht verwerfen wir diesen Gedanken aber wieder und entschließen uns den direkten Weg vom Tal zur Hütte zu nehmen.

Dieser führt uns über einen relativ flachen Forstweg mit wenigen Serpentinen an Kuhwiesen und einem Gebirgsbach entlang zur Talstation einer Materialseilbahn. Unterhalb des Gletschers geht es dann steiler über Moränenhügel hinauf zum Taschachhaus. Man sieht deutlich, wo der Gletscher noch vor einigen Jahrzehnten sein Eis in das Gestein des Berges gedrückt haben muss. Eine Informationstafel auf halber Wegstrecke informiert über den Rückgang des Pitztaler Gletschers in den letzten 200 Jahren.

Nach unserem Aufstieg ruhen wir uns kurz in der Hütte aus und beziehen unser Lager, bevor wir noch einen kleinen Abstecher zum Tobias Jungk-Klettersteig unterhalb des Urkundsattels machen. Danach geht es zurück in die Hütte. Es gilt, Kräfte zu tanken für die kommenden Tage.

Tag 2 - Tobias Jungk Klettersteig und Urkundferner

Am nächsten Tag starten wir erneut Richtung Tobias Jungk Klettersteig. Der Weg über die Moränenfelder zieht sich etwas, doch die Sicht ist heute schon wesentlich besser.

Ursprünglich führte der Weg zum Urkundsattel, wo wir heute ein paar Gletscher-Bergungsübungen machen wollen, über den  Sexegertenferner. Doch nachdem auf dieser Route der 18-Jährige Münchner Tobias Jungk am 20. Juli 2015 in eine Gletscherspalte gestürzt und wenig später an seinen Verletzungen verstorben war (anseilen!!!), gab der DAV München den Bau dieses Klettersteigs in Auftrag.

Der Klettersteig beginnt mit einem etwas schwierigeren Einstieg der Kategorie C und geht dann relativ einfach und unproblematisch weiter. Ein bisschen schwindelfrei sollte man an einigen Passagen schon sein (oder versuchen zu sein), aber insgesamt ist dieser Teil der Tour sehr gut machbar.

Weiter gehts mit dem Einstieg auf den Gletscher. Jetzt wird angeseilt und dann geht es flach auf dem Gletscher weiter Richtung Urkundsattel. Unterhalb des Sattels steigen wir in unteren Teil der Hochvernagtwand ein, um dort unsere Sicherungsmethoden mit Seilen und Eisgeräten zu vertiefen.

Als die Temperaturen steigen und die Spalten tiefer und dichter werden, beschließen wir, den Anstieg abzubrechen und stattdessen noch ein paar Spaltenbergungstechniken zu wiederholen.

Die Spalten hier eigenen sich hervorragend für Übungszwecke, wie uns der Wirt des Taschachhauses schon vorab mitgeteilt hatte. Den Abstieg zur Hütten gehen wir genauso wie wir aufgestiegen sind, nur dass wir jetzt noch mehr als vorher auf den Steinschlag des Urkunds achten müssen, der uns felsige Grüße entgegenschickt.

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