7. November 2017

Interview: Nigel Cabourn x Peak Performance

"Ich liebe Mode, die Funktioniert"

Vor 50 Jahren hat der britische Designer Nigel Cabourn beschlossen, Modedesigner zu werden. Doch seine Berufung lag nicht in der damals noch vorherrschenden Haute Couture. Seine Mode sollte funktionieren. Er wollte Kleidung für "echte Menschen" machen. Als Vorbilder dienen ihm historische Arbeiter- und Militärkleidung. Mit diesen Inspirationsquellen trifft er heute, mehr als je zuvor, den Zeitgeschmack.

Für die Herbst-/Winter-Kollektion 2017 hat sich das schwedische Outdoorlabel Peak Performance die Design-Legende ins Boot geholt. So treffen Pioniergeist und Innovation auf Tradition und Zeitlosigkeit. Ich habe den lebenslustigen Briten in München zum Interview getroffen und durfte mich von seinem unendlichen Optimismus und seiner Lebensfreude anstecken lassen.

Hallo Nigel, wie geht es dir? 

Mir geht es wunderbar! Ich habe die Ehre, mit ganz vielen tollen Leuten meine neue Kollektion für Peak Performance hier in München vorzustellen. Ich reise immer ein paar Tage länger in die Stadt, um etwas von Land und Leuten mitzubekommen. Gestern war ich in München unterwegs, heute morgen habe ich schon hier im Gym trainiert und treffe überall tolle Menschen.

Du bist schon sehr lange in der Mode-Industrie tätig. Wie kam es dazu?

Von 1967-71 habe ich am New Castle Fashion College studiert. Es war eine inspirierende Zeit: Pop-Musik und Flower Power. 1969/70 habe ich mein Business gegründet. 1971 hatte ich drei Mitarbeiter. Damals war ich noch Student und da habe ich beschlossen, das Studium sausen zu lassen.

Wieso war das College nicht das Richtige?

Im College habe ich mich nicht wohl gefühlt. Ich hatte das Gefühl, nicht clever genug zu sein. Aber am Ende war ich clever genug, um zu wissen, dass es Zeit für mich war, meinen eigenen Weg zu gehen.

Ich wollte Men's Wear designen. In den Sechzigern ging es am College nur um Haute Couture. Ich wollte Mode machen, aber ich bin kein Couture-Designer. Sie haben mich nach Paris geschleppt, um mir die Couture Mode zu zeigen. Ich habe das gehasst. Dann wollten sie, dass ich Kindermode designe und auch das hat mich nicht interessiert. Später, wenn du heiratest und selbst Kinder hast, interessierst du dich als Mann mehr für Kinderkleidung, aber doch nicht als Teenager und junger Mann.

Einer der Lehrer am College hat mir gezeigt, wie man Men's Wear designt und dann bin ich gegangen und habe mein eigenes Ding gemacht.

Hat sich die Industrie sehr verändert, seit du angefangen hast?

Was für eine Frage! Ja! Mit der Flower Power hat alles angefangen und dann kamen die Siebziger, die Achziger, die Neuziger, die Zweitausender und es geht immer weiter. Das sind jetzt fast 50 Jahre. Als ich mich an das Telex gewöhnt hatte, kam das Fax, dann Email und heute habe ich meinen eigenen Instagram-Account. Ich habe so oft das Gefühl, der Technologie nicht mehr hinterher zu kommen. Aber du musst ja mitmachen. Ich bin ein Macher und irgendwie klappte es dann schon.

Wie läuft es mit Instagram?

Ziemlich gut. Ich mache gern Fotos und dann finde ich immer nette, hilfsbereite, junge Damen, die mir gerne helfen. Ich sage immer: Sei nett zu den Menschen und sie sind nett zu dir. Man wird immer irgendwo Hilfe brauchen. Deshalb ist es wichtig, sich Freunde zu machen. Ich habe mittlerweile fast 95 000 Follower. Alleine hätte ich das bestimmt nicht geschafft.

Was ist deine Philosophie?

Ich möchte Kleidung machen, die stilistisch und und technisch so ausgereift ist, dass man sie für den Rest des Lebens tragen kann und sogar noch an seine Kinder weitergeben. Meine Kollektionen sind eine Symbiose aus zeitlosem Design und Funktion. Ich bin ein Nischen-Designer für alle, die Funktion und Nachhaltigkeit schätzen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Meine Mode ist teuer, aber es lohnt sich!

Ist es nicht schlecht für die Industrie, wenn wir nicht mehr gezwungen sind, neue Kleidung zu kaufen?

Das ist doch echte Nachhaltigkeit! Ob das jetzt gut oder schlecht für die Industrie ist, darüber denke ich nicht nach. Ich wurde das schon öfter gefragt, aber ich bin nur ein kleiner Designer und möchte machen, woran ich glaube.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Peak Performance?

Das Swedish Fashion Council hat mich eingeladen nach Stockholm zu kommen und meine Arbeiten zu präsentieren. Ich liebe Reisen, also habe ich meine wichtigsten Kollektionsteile eingepackt und habe mich der Herausforderung gestellt.Danach kamen mehrere Firmen auf mich zu und wollten mit mir arbeiten. Das hat mich nicht gewundert, aber sehr gefreut.

Wie hat sich Peak Performance gegen die anderen durchgesetzt?

Peak Performance bot mir an, in ihr Head Office zu kommen und mir alles anzusehen. Also bin ich hin und dort traf ich auf viele hübsche, inspirierende Menschen.Die Leute waren nett und es hat sich einfach richtig angefühlt. Außerdem habe ich mich an die Anfänge von Peak Performance erinnert. Das ist ja auch eine Marke mit 30 Jahren Geschichte. Ich dachte, das könnte eine interessante Kooperation werden und ich hatte Recht.

Wie sieht denn das Ergebnis aus. Erzähl mir ein bisschen von der Kollektion.

Nigel Cabourn, das ist die Union aus Sportswear und Fashion. Ich mag Mode die gut aussieht und trotzdem ihren Zweck erfüllt. Du kannst die Kollektion auf der Piste und in den Bergen tragen, aber auch in der Stadt.

Und wie viel Peak Performance steckt in der Kollektion?

Ich selbst bin kein guter Skifahrer, aber diese Expertise kommt von Peak Performance. Anstatt Skimode zu machen, die auch in der Stadt funktioniert, habe ich Urban Wear gemacht, die man auch auf der Piste tragen kann. Dabei besinne ich mich auf die traditionellen Herstellungsarten und Peak blickt in die Zukunft. So haben wir uns perfekt ergänzt und ein sehr cooles Ergebnis erzielt, finde ich.

Zum Thema Produktion: In der Outdoor-Branche sind wir mit immer neuen Technologien konfrontiert. Was hälst du davon?

Ich glaube nicht, dass wir all die Technologien brauchen, die es heute in der Funktionskleidung gibt. Beziehungsweise ich brauche das alles nicht. Ich sehe mir vor allem traditionelle Militärkleidung an, wenn es um Funktion geht.

Die Inspiration für diese Kollektion ging von einem Lammfell aus dem Zweiten Weltkrieg aus. Ich hatte es lange in meinem Archiv und jetzt war es an der Zeit, es herauszuholen. Daraus ist die schwarze Lammfelljacke aus der Kollektion entstanden und um sie herum habe ich den Rest designt. Ich liebe traditionelle Verarbeitungstechniken und Materialien.

Die Kollektion ist unisex. Alle Teile funktionieren für Männer wie für Frauen. Sind die Geschlechter vielleicht gar nicht so unterschiedlich, wenn es um Funktion und Design geht?

Oh, Frauen und Männer sind sehr unterschiedlich. Vor allem anatomisch, schau doch mal hin! Ich bin Men's Wear-Designer durch und durch und entwerfe eigentlich männliche Kollektionen. Aber dann lassen wir Frauen die Muster anprobieren und es sieht toll aus. Möglicherweise sind die Grundbedürfnisse bei schöner Outdoor- und Urbanwear doch ähnlich. Es muss funktional sein. Sicher sitzt die Kollektion etwas oversized bei vielen Frauen, aber wie du an den Lookbook-Bildern siehst, kann gerade das das gewisse Etwas ausmachen.

Wie geht es bei dir weiter?

Ich habe mich für zwei Jahre mit Peak Performance zusammengetan. Es wird also noch eine weitere Kollektion für den Winter 2018 geben. Ihr dürft gespannt sein.

Verrate mir doch noch zum Schluss: Was liebst du am Meisten an deiner Arbeit?

Ich mache seit 50 Jahren den gleichen Job und ich liebe ihn noch immer. Meine Arbeit gibt mir Energie. Ich mache was ich will, wo ich will, wann ich will. Es könnte nicht besser sein!

Instagram