Hochtouren-Equipment
Photo by Thiemo Woertge
Diese 12 Dinge braucht ihr
Sommerzeit ist Hochtourenzeit! Wenn wir den Tag, an dem wir unsere Tourenskier für längere Zeit in den Keller verbannen müssen, nicht mehr weiter aufschieben können, ist das einzige, was den Wintersport-Fan tröstet: Die Hochtour. Der Gedanke daran, auch im Sommer durch knietiefen Schnee zu stapfen, mag für den Durchschnittsmenschen abschreckend sein. Nicht so für uns!
Und dabei ist so eine Hochtour besonders spannend: Nicht selten startet man im Tal bei sommerlichen Temperaturen und grüner Flora seine Wanderung, um nach und nach in eine immer kühler werdende Urlandschaft hervorzudringen und schließlich im ewigen Eis anzukommen, von wo aus man – hoch in den Gipfeln – meist eine atemberaubende Aussicht genießen kann.
Wenn euch der Gedanke an eine Hochtour reizt, kann ich nur sagen: Tut es! Es ist ein unglaubliches Erlebnis! Doch bevor ihr euch selbstständig in luftige Höhen hinauf wagt, solltet ihr erst einmal mit einem Kurs oder einer geführten Tour beginnen. Wir haben unsere Kurse damals bei der Alpinschule Steiermark gemacht und ich kann sie wirklich nur empfehlen.
Neben der richtigen Tourenplanung und dem Vorbereitungstraining ist die passende Ausrüstung das wichtigste, wenn man sich in ein Outdoor-Abenteuer stürzen möchte. Hier eine kurze Übersicht, was ihr bei einer Hochtour an Basis-Equipment braucht:
1.) BEDINGT ODER VOLL STEIGEISENFESTE BERGSTIEFEL
Und hier sei euch geraten: Kauft euch eigene und lauft sie vor der Tour schon einmal ein. Eine Hochtour ist lang und nichts ist scheußlicher, als wenn die Schuhe nicht passen und ihr mit dicken Blasen auf dem Berg herumkrebst. Ich habe mir erst einmal bedingt steigeisenfeste Schuhe gekauft, die ich auch wunderbar als normale Wanderschuhe verwenden kann. Steigeisenfeste Stiefel geben einen noch besseren Halt, sind aber für normale Wanderungen fast zu steif.
2.) STEIGEISEN
Die Steigeisen könnt ihr für eure ersten Tourenversuche auch erst einmal leihen. Am besten fragt ihr euren Bergführer oder geht zu eurem lokalen DAV-Verleih (in München z.B. im Globetrotter am Isartor oder im Sport Schuster am Marienplatz).
Solltet ihr doch Steigeisen kaufen wollen, lasst euch am besten beraten. Für Hochtouren mit Felskontakt eignen sich Stahl-Steigeisen mit Vertikalzacken (also Zacken, die vor allem nach unten zeigen). Leicht-Steigeisen aus Aluminium sind zwar nicht so schwer, können aber beim Gehen über Fels leicht verbiegen.
Wichtig! Achtet darauf, dass die Steigeisen zu euren Schuhen passen. Für bedingt steigeisenfeste Schuhe braucht ihr Steigeisen mit Riemen- oder Körbchenbindung. An steigeisenfesten Stiefeln lassen sich auch Steigeisen mit Kipphebelbindung befestigen, Das ist erstens leichter und gibt zweitens einen noch besseren Halt. Am besten nehmt ihr die Schuhe mit in den Laden und checkt gleich mal, ob sie mit den Steigeisen harmonieren.
3.) EINEN EISPICKEL
Wenn ihr sowohl Ski- als auch Hochtouren plant, lohnt es sich schon, sich einmal einen eigenen Eispickel zuzulegen. Gerade in steilerem, eisigerem Gelände und auf dem Gletscher sorgt dieser für mehr Sicherheit. Entgegen den Eispickeln fürs Eisklettern mit stark gekrümmtem Schaft und Griff, sind die Pickel für Ski- und Hochtouren relativ gerade bzw. nur leicht gekrümmt und haben eine Spitze am einen Ende des Schafts und eine Haue (idealerweise aus Stahl) auf der anderen.
Wenn ihr die Haue mit hängendem Arm an der Haue festhaltet, sollte die Spitze bis circa 10 bis 20 Zentimeter über dem Boden reichen.
4.) TOURENSTÖCKE
Da man bei einer Hochtour normalerweise nicht ständig mit Stöcken geht, sind Teleskop- oder Faltstöcke besonders geeignet. Diese könnt ihr, wenn ihr sie gerade nicht braucht, am oder im Rucksack verstauen. Faltstöcke sind in der Regel leichter und kompakter. Dafür ist ihr Einstellungsbereich geringer.
Warum brauchen wir überhaupt Stöcke? Die Stöcke reduzieren vor allem beim Abstieg und mit schwerem Gepäck die Belastung der Gelenke und können so vor Langzeitschäden schützen. Außerdem helfen sie uns, auf unstetem Untergrund, wie Geröll, Fels oder Schnee, das Gleichgewicht zu halten.
Die unterschiedlichen Stöcke unterscheiden sich vor allem im Gewicht und im Preis. Von Teleskopstöcken mit Innenklemmung würde ich nach eigener Erfahrung eher abraten. Die Außenklemmung ist zwar etwas schwerer, dafür lässt sie sich leichter verstellen und ist meiner Meinung nach zuverlässiger.
Was Griffe & Co. angeht, lohnt es sich, einmal in einen Laden zu gehen und auszuprobieren, was einem gut in der Hand liegt. Es gibt auch Stöcke mit extra schmalen Griffen für Frauen mit kleinen Händen.
5.) EINEN KLETTERGURT
Den Klettergurt braucht man auf einer Hochtour in den meisten Fällen nur zum einfachen Sichern, zum Beispiel bei der Querung eines Gletschers oder eines Grats. Deshalb sind spezielle Hochtouren-, genauso wie Skitourengurte, leichter und weniger gepolstert als herkömmliche Klettergurte und haben auch weniger Materialschlaufen.
Außerdem sind sowohl der Gurt selbst, als auch die Beinschlaufen mit einem extra Verschluss versehen, was es wesentlich leichter macht, den Gurt auch mit dicken Berg- oder Skischuhen an- und auszuziehen.
6.) EIN (HALB-)SEIL
Hier gibt es viele Diskussionen, welches Seil sich am besten für eine Hochtour eignet. Dabei kommt es auch auf die einzelne Tour an, wie viele Leute ihr seid, ob das Seil "nur" zum Anseilen in der Seilschaft bei einer Gletscherüberquerung genutzt wird, oder ob die Tour auch Kletter-Passagen beinhaltet. Es gilt immer den Sicherheitsaspekt und Gewichtseinsparungen abzuwägen, denn je dicker und länger das Seil, umso größer ist natürlich auch die Schlepperei. Hier sprecht ihr euch am besten vorab mit eurem Bergführer ab. Wichtig: Das Seil sollte imprägniert sein, damit es nicht zu viel Feuchtigkeit aufnimmt.
7.) EINEN HELM
Den Helm brauchen wir bei einer Hochtour für die Gletscherquerung – damit der Kopf im Falle eines Spaltensturzes geschützt ist – und für den Felskontakt – wenn es zum Beispiel einen Gipfelgrat zu bezwingen gilt. Die restliche Zeit kann der Helm im Rucksack verstaut werden. Daher lohnt es sich, in ein möglichst leichtes Modell zu investieren. Wer in unterschiedlichen Disziplinen unterwegs ist, kann sich, statt einen Helm für jede Sportart zu kaufen, auch für einen Allround-Helm entscheiden, der zum Beispiel für Skitouren, Hochtouren und zum (Eis-)Klettern geeignet ist.
8.) EINEN RUCKSACK
Wie groß der Rucksack sein muss, den ihr mit auf eure Hochtour nehmt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel, wer das Seil trägt und auch wie lange ihr unterwegs seid.
Generell halte ich ein Volumen zwischen 30 und 40 Litern für ideal. Hier sollte dann aber auch alles hineinpassen. Das heißt: Disziplin beim Packen ist gefragt. Denn ist der Rucksack zu voll oder zu schwer, kann euch das die ganze Tour vermiesen.
Ich verwende für Hochtouren und Ski-Hochtouren den gleichen Rucksack. Er hat Schnallen für den Eispickel und die Stöcke (und im Winter für die Skier). Das restliche Material wird im Rucksack verstaut, um nicht zu behindern. Je kompakter der Rucksack gepackt ist, umso weniger Energie raubt er euch beim Gehen. Deshalb solltet ihr auch am besten verschiedene Rucksäcke anprobieren und sehen, welcher gut an eurem Rücken sitzt. Außerdem sollte der Hüftgurt die Hauptlast tragen. Damenrucksäcke bringen vor allem kleineren Frauen und Frauen mit einer weiblichen Figur Vorteile. Für überdurchschnittlich große Menschen gibt es Rucksäcke mit extra langem Rücken.
9.) KLETTERAUSRÜSTUNG
Um euch mit dem Seil zu sichern, braucht ihr natürlich auch eine Basis-Ausrüstung an Karabinerhaken etc... Die Ausrüstung ist hier nicht so umfangreich wie beim Klettern. Was genau ihr braucht, sprecht ihr am besten mit eurem Bergführer ab. Hier eine kleine Orientierung:
Karabiner:
1 Safe-Lock-HMS Karabiner
3 HMS Karabiner
2-3 Normalkarabiner
2 Expressschlingen
Außerdem:
1 Tube Abseilachter oder Tuber
3 Reepschnüre, 1m + 2x3m (5-6mm)
2 Bandschlingen 120cm
1 Bandschlinge 60cm
10.) EINE GLETSCHERBRILLE
Mit dem Schutz der Augen auf dem Gletscher ist nicht zu spaßen! Wer mit einer Augenentzündung davonkommt, hat noch Glück gehabt. In schlimmeren Fällen kann es zur Schneeblindheit kommen, die hoffentlich ohne Langzeitschäden verläuft.
Wenn ihr keine spezielle Gletscherbrille kaufen wollt, dann achtet mindestens darauf, dass eure Brille zertifiziert ist (also ein EC-Symbol am Bügel hat) und die Augen vollends abschließt. Bestenfalls sollte eure Brille Gläser der Kategorie 3-4 haben. Die Luxusausstattung sind photochrome Gläser, die ihren Abdunkelungsgrad automatisch den Lichtverhältnissen anpassen.
Achtung: Eine nicht zertifizierte Brille ist das Schlimmste, was ihr euren Augen antun könnt! Sie gaukelt ihnen Schutz vor, so dass sich die Pupillen weiten, lässt aber doch das UV-Licht durch. So können eure Augen noch mehr geschädigt werden, als würdet ihr überhaupt keine Brille tragen, da ihnen auch noch ihr natürlicher Schutz genommen wird. Die Billigbrille aus dem 1 Euro-Shop solltet ihr also lieber zuhause lassen.
11.) EIN GPS-GERÄT
Das GPS-Gerät braucht ihr jetzt nicht gleich bei eurer ersten Tour, denn euer Bergführer kennt sich ja aus und wird garantiert eines dabeihaben. Solltet ihr aber irgendwann auf eigene Faust losziehen wollen, dann würde ich euch unbedingt empfehlen, euch eines zuzulegen. "Ach was, das mache ich einfach mit dem Handy," werdet ihr euch jetzt vielleicht denken. Doch ihr werdet erstaunt sein, wie schlecht der Empfang eures Telefons in den Bergen ist und wie schnell der Akku bei niedrigen Temperaturen nach unten rast. Tut euch den Stress nicht an! Ein GPS-Gerät ist gut investiertes Geld und ihr geht sicher, dass ihr auch bei plötzlich hereinziehendem Nebel und schlechter Schicht nicht die Orientierung verliert. Denn so etwas kann schnell richtig böse enden!
12.) EINE TRINKFLASCHE
Ich würde euch eine leichte Thermoskanne empfehlen. In jedem Fall aber solltet ihr trinken, trinken, trinken! Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich selbst habe bei meiner ersten längeren Tour über 3000 Höhenmetern nicht genug getrunken. Ich hatte Angst, ständig auf Toilette (oder hinter den nächsten Felsen) zu müssen und damit die Gruppe aufzuhalten. Das Ganze endete in einer völligen Dehydrierung. Mir war übel, ich hatte Herzklopfen und war desorientiert. Also: Trinken!
Pro 1000 Höhenmeter circa 1 Liter mehr als gewöhnlich, sagt die Faustregel. Was das für euch bedeutet, hängt natürlich auch davon ab, wie warm es ist und wie sehr ihr zum Schwitzen neigt.
Eine Thermoskanne hält das Wasser im Sommer kühl und im Winter warm, so dass es euch nicht einfriert. Tee bzw. heißes Wasser bekommt ihr eigentlich in jeder Hütte, am besten fragt ihr am Vorabend beim Hüttenwirt nach.
Mit dieser Ausrüstung seid ihr für eure Hochtour erstmal gut ausgerüstet. Das Gute ist: Die meisten Items braucht ihr ja genauso im Winter für eure Skitouren. Natürlich kommen noch weitere Ausrüstungspunkte hinzu wie:
das Erste-Hilfe-Set
eine Wanderkarte
Sonnencreme
Und falls ihr auf der Hütte übernachtet:
ein Hüttenschlafsack
ein schnell trocknendes Handtuch
DAV-Ausweis (für die Ermäßigung)
Ohrenstöpsel
Wir weisen darauf hin, dass es sich bei dieser Liste um subjektive Empfehlungen handelt. Wir übernehmen keine Verantwortung für die Vollständigkeit sowie für die Funktionalität der abgebildeten Produkte.
Dennoch hoffen wir, euch mit dieser Übersicht eine kleine Hilfestellung geben zu können. Viel Spaß auf euren Touren!