10. August 2017

Mythos Biwakieren: Die wichtigsten Facts

7 Fragen, 7 Antworten

Einmal unter freiem Sternenhimmel schlafen, das klingt wildromantisch – und das ist es auch. Vorausgesetzt natürlich, ihr wisst, was ihr tut. Denn nur wenn Ort, Wetter und Ausrüstung stimmen, wird aus dem improvisierten Notlager ein gemütlicher Schlafplatz.

1. Was bedeutet eigentlich Biwakieren?

Das Wort "Biwak" kommt aus dem Französischen bivouac und bedeutet zunächst einmal ganz einfach "Nachtlager" oder "Feldlager". Dabei kann das Schlafen unter freiem Himmel genauso gemeint sein, wie ein Zeltlager oder das Übernachten in einer sogenannten Biwakschachetel am Berg.

 

DER BIWAKSACK

Die einfachste Form des Biwakierens ist das Übernachten unter freiem Himmel in einem Biwaksack. Unter einem Biwaksack versteht man einen wind- und wasserabweisenden Sack, ähnlich einem Schlafsack, der beim Lagern im Freien zum Schutz von Feuchtigkeit und Kälte über Isomatte und Schlafsack gestülpt wird. Zwischen den einzelnen Biwacksäcken gibt es noch einmal große Unterschiede: Es gibt einfache Not-Biwaks, die sehr klein und leicht sind, und auf Touren lediglich für den absoluten Notfall mitgenommen werden. Es gibt aber auch sehr komfortable Biwaksäcke, die quasi Biwak und Schlafsack in einem sind. Diese sind jedoch für weite Touren eher unpraktisch, da sie voluminös und schwer sind.

DAS BIWAKZELT

Das Biwakzelt ist oft kaum größer als ein Schlafsack, hat – gegenüber dem Biwaksack jedoch den Vorteil, dass es den Körper komplett umschließt. Man wird dadurch noch einmal besser vor Wind und Wetter geschützt. Je nach Modell bekommt man sogar noch seine Ausrüstung in dem flachen Miniaturzelt unter. Ein Biwakzelt ist zwar schwerer als der einfache Biwaksack. Es gibt aber auch Zelte, die unter 1 Kilogramm wiegen.

DIE BIWAKSCHACHTEL

Bei diesem zugegeben etwas ulkigen Begriff handelt es sich um eine alpine Schutzhütte, meist im hochalpinen Bereich. Die Biwakschachtel dient Bergsteigern in abgelegenen Gegenden als Unterschlupf bei Mehrtagestouren oder in Notfällen, zum Beispiel bei einem Wetterumschwung. Sie kann aus Blech, Holz oder Kunststoff gebaut sein und bietet in der Regel platz für circa 5 bis 10 Personen. Die Biwakschachtel werden meist vom zuständigen Alpenverein gepflegt. Teilweise sind sie mit Decken und Notvorräten ausgestattet. Im Zweifel sollte man aber alles Notwendige selbst mitbringen, wenn man plant, in einer Biwakschachtel zu übernachten.

Ich möchte mich in diesem Artikel auf das Biwakieren in niedrigeren Höhenlagen im Biwaksack konzentrieren. Das romantische Biwakieren unter dem Sternenhimmel.

2. Wo darf ich biwakieren?

Wie sollte es anders sein: Die Gesetzeslage zum Wildcampen und damit zum Biwakieren ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz äußerst komplex. Grundsätzlich einmal ist jegliches Wildcampen verboten. Besonders streng ist die Lage in Deutschland in Wäldern (ohne Genehmigung des Grundbesitzers verboten) und in Naturschutzgebieten.

Das hat auch seinen Sinn, wo würden wir schließlich hinkommen, wenn alle Berg- und Naturbegeisterten auf einmal anfiengen, in den Naturschutzgebieten herumzuliegen. Wo diese Schutzgebiete in den Alpen liegen, erfahrt ihr hier: www.alparc.org

Zum Glück gibt es jedoch Schlupflöcher: Wenn ihr nämlich ungeplanterweise in die Situation geratet, euer Nachtlager aufschlagen zu müssen, beispielsweise auf Grund von Erschöpfung, ist dies erlaubt. Laut DAV wird auch geplantes Biwakieren unter freiem Himmel, sprich, in einem Biwaksack für eine Nacht außerhalb von Wäldern und Naturschutzgebieten geduldet.

3. Wo sollte ich Biwakieren?

Nach der Frage, wo ihr überhaupt biwakieren dürft, kommt die Frage, wo ihr es solltet, also wo ihr das ideale Lager findet.

Einen geeigneten Schlafplatz zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach.

Folgende Plätze solltet ihr lieber meiden:

  • Feuchtgebiete in der Nähe von Seen und Flüssen. Hier kann es schnell von unten her nass werden, selbst wenn ihr einen guten Biwaksack dabei habt.
    Deutliches Zeichen für einen feuchten Boden: Moos und Farne.

  • Exponierte Stellen. Denk immer daran, dass ihr euch Nachts bewegt, ohne das wirklich unter Kontrolle zu haben. Meidet daher stellen, an denen ihr abrutschen könntet. Sollte es gar nicht anders gehen – zum Beispiel in einem Notfall – sichert euch vor dem Schlafen mit einem Seil oder ähnlichen Hilfsmitteln.

  • Kuh-, Schaf-, Pferdeweiden. Außerdem solltet ihr auf Wildspuren achten. So süß und lieb die Tierchen auch ein mögen, nachts, wenn ihr schlaft können sie euch gefährlich werden. Und wenn sie euch schon nicht verletzen – so ein Kuhfladen im Gesicht ist mit Sicherheit auch nicht so angenehm.

4. Wann ist die beste zeit zum Biwakieren?

Ganz klar: Im Sommer. Aber das war euch wahrscheinlich sowieso schon klar. Wichtig: Checkt unbedingt den Wetterbericht bevor ihr loszieht und behaltet immer im Kopf, dass das Wetter in den Bergen oft unvorhersehbar ist. Die Temperatur sollte bestenfalls auch nachts nicht unter 10 Grad sinken. Bei Gewitterrisiko solltet ihr euer Abenteuer lieber verschieben.

5. Was sollte ich mitnehmen?

Hier ist eine einfache Liste am übersichtlichsten:

  • Isomatte, Schlafsack, Biwaksack

  • ausreichend großer Rucksack (ca. 30 Liter)

  • Stirnlampe

  • warme Kleidung: Hoodie oder Beanie für den Kopf, Pullover oder leichte Daune, Leggings und warme Socken

  • T-Shirt, Unterwäsche und Socken zum wechseln, falls du beim Aufstieg schwitzt

  • Brotzeit, Taschenmesser und Thermoskanne mit heißem Tee

 

6. Darf ich ein lagerfeuer machen?

Im Wald und in Schutzgebieten ist offenes Feuer strengstens untersagt. Wenn ihr nicht auf das romantische Knistern des Lagerfeuers verzichten wollt, solltet ihr in jedem Fall mindestens 100 Meter Abstand vom Wald und von leicht entzündlichen Stellen halten. Wer auf Nummer-Sicher gehen will, informiert sich vorab über die regionalen Vorschriften. Für alle anderen gilt: Keinesfalls an besonders trocknen Stellen zündeln und die Natur in Gefahr bringen!

7. Was muss ich sonst noch beachten?

Haltet eure Umgebung sauber und nehmt euren Müll wieder mit ins Tal. Seid rücksichtsvoll gegenüber Flora und Fauna und meidet Lärm. Behaltet immer im Hinterkopf: Die Natur kommt zuerst! Denn um sie genießen zu können, müssen wir sie erhalten.

Wenn ihr diese 7 Punkte beherzigt, steht eurem Abenteuer in der Wildniss eigentlich nichts mehr im Wege. Frohes Sternegucken, wünsche ich euch!

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